Führen mit Auftrag (Voraussetzungen)

Ausbildung: Es braucht gut ausgebildete und nach Möglichkeit zusammengewachsene Truppen. Soldaten werden als Meister ihres Faches gesehen, die ihr berufliches Handwerkszeug beherrschen und verstehen. Dazu gehört nicht nur der Umgang mit den Waffen, sondern besonders auch das richtige Verhalten während eines Einsatzes.

Selbstbewusstsein und Zusammenhalt: Eine gesamte Truppe braucht ein hohes Selbstbewusstsein. Jedes Mitglied, vom einfachen Soldaten bis zum obersten Vorgesetzten muss sich als Meister seines Handwerks betrachten.

Wichtig ist auch, dass Führer stolz sind, ihre Truppe zu führen und sich mit ihren Untergebenen identifizieren. Offiziere dürfen sich nicht nach der nächsten Stabsverwendung sehnen, sondern sollten gerne mit ihrer Truppe zusammenarbeiten.

Akzeptanz: Vorgesetzte akzeptieren anders handelnde Untergebene, solange sie auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten. Sie sind eher zurückhaltend und ermuntern ihre Untergebenen, anstatt ihnen alles strikt vorzugeben, denn oft, früh und kraftvoll einschreitende Vorgesetzte verhindern Selbständigkeit.

Vertrauen: Vorgesetzte und Truppen haben Vertrauen zueinander. Untergebene werden durch ihre Vorgesetzten gedeckt und Vorgesetzte akzeptieren Fehler ohne gleich zu bestrafen. Es braucht eine Übereinstimmung in Denken und Handeln. Dazu ist eine gleiche Ausbildung nötig, denn sie schafft gleiches Vorverständnis auf allen (Führungs-)Ebenen.

Information: Ausführliche Informationen sind von großer Bedeutung. Dazu gehören Sinn und Zweck der Aufgabe und eine Einordnung in den Gesamtzusammenhang. Die Einschätzungen von Untergebenen werden ernstgenommen, damit sie bereit und in der Lage sind, eigenständig zu handeln. Die Führung ermöglicht dadurch Mitverantwortung und letztendlich Mitwirkung.

Wenig Befehlen: Die Führung gibt zu erreichende Ziele vor, notwendige Unterstützung wird angeordnet und koordiniertes Zusammenwirken sichergestellt. Alles andere wird den Befehlsempfängern überlassen. Diese machen sich eigene Gedankenarbeit über den besten Weg zum Ziel, der ausdrücklich nicht vorgeschrieben wird. Führung wird damit bewusst dezentralisiert.

Motivation: Führer vor Ort kennen Stärken und Schwächen der Truppe sowie der Lage besser als das Oberkommando. Durch selbstständiges Vorgehen wird eine persönliche Identifikation mit der Aufgabe und dem Ziel geschafften. Beteiligte können sich als Subjekt, nicht als Objekt, sehen.

Abweichen vom Auftrag: Besonders wenn die Lage sich grundlegend verändert hat und diese Lageänderung nach sofortigem, abweichendem Handeln verlangt, ist dies möglich und erlaubt. Vor allem, wenn Entscheidung von Vorgesetzten technisch/zeitlich nicht möglich sind.

Lagebeurteilung: Die Lagebeurteilung ist kein rezeptiver, sondern ein selbständig-schöpferischer Akt. Ein Untergebener muss sich fragen: Welche Absicht verfolgt mein Vorgesetzter? Was wird als wesentliche Leistung verlangt? Und liegt überhaupt eine grundlegende Lageänderung vor, die eine Änderung des Vorgehens erfordert?