Führen mit Auftrag

„Führen mit Auftrag“ ist ein Konzept der deutschen Militärführung. Es hat seinen Ursprung in den preußischen (Heeres)Reformen Anfang des 18. Jahrhunderts nach den Niederlagen gegen Napoleon Bonaparte.

Es beschreibt eine Art von Menschenführung. Dabei gibt der militärische Führer den Soldaten mindestens das Ziel, meist noch den Zeiteinsatz und die benötigten Kräfte vor. Danach soll der Geführte (der Auftragsempfänger) das Ziel auf Basis dieser Rahmenbedingungen selbstständig verfolgen.

Das Besondere ist, dass der Ausführende in der Durchführung des Auftrages weitgehend frei ist, vor allem im Falle einer Lageänderung. Das wesentliche Ziel bleibt aber weiterhin bestehen. Damit ist eine hohe Flexibilität in der Auftragsdurchführung möglich und die höhere Führungsebene wird entlastet.

Von besonderer Bedeutung für den Erfolg des Führens mit Auftrag ist, dass die unterstellten Führer (die Auftragsempfänger) die Absicht der übergeordneten Führung kennen und so ausgebildet sind, dass sie daraus für sich im Rahmen des Verständnisses des Auftrages eigenes Handeln im Sinne der übergeordneten Führung ableiten können.

Die Absicht hinter dem Auftrag vermitteln

Daher brauchen nachgeordnete Führungskräfte eigene Urteils- und Entschlusskraft. Außerdem müssen sie bereit und auch dazu ausgebildet sein, selbständig und verantwortungsbewusst zu handeln und die Intentionen hinter einem Auftrag zu erkennen.

Für die den Auftrag erteilenden Führungskräfte kommt es vor allem darauf an, die Absicht hinter dem Auftrag zu vermitteln und die wesentliche Leistung herauszustellen.

Prinz Friedrich Karl soll zu einem Major während des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 gesagt haben: „Herr, dafür hat Sie der König von Preußen zum Stabsoffizier gemacht, damit Sie wissen, wann Sie nicht gehorchen dürfen!“

Russischer General Woide über den selben deutsch-französischen Krieg: „In Wirklichkeit haben die Deutschen ihren endgültigen Erfolg einer ungeheuren Summe selbständigen Unternehmungsgeistes der Unterführer in allen Stellen bis zum untersten herunter … zu danken“.

Preußisches Exerzierreglement von 1906: „Der Krieg fordert eiserne Manneszucht und Anspannung aller Kräfte. Im Besonderen verlangt das Gefecht denkende, zur Selbständigkeit erzogene Führer und selbsthandelnde Schützen“.

Preußisches Exerzierreglement von 1906: „ … in Fällen, in denen sich der Untergebene sagen muss, dass der Auftraggeber die Verhältnisse nicht genügend übersehen konnte oder wo der Befehl durch die Ereignisse überholt ist, wird es Pflicht des Untergebenen, erhaltene Befehle nicht oder abändernd auszuführen …“.

Graf von Moltke, auch bekannt als „der große Schweiger“, war preußischer Generalfeldmarschall und hatte als Chef des Generalstabes wesentlichen Anteil an den preußischen/deutschen Siegen im Deutsch-Dänischen Krieg, im Preußisch-Österreichischen Krieg sowie im Deutsch-Französischen Krieg.

Moltke war aber auch ein großer Militärtheoretiker, der die Auftragstaktik weiter entwickelte. Es war Moltke, der die Erfindung des Telegrafen einmal so kommentierte: „Am unglücklichsten trifft es den Feldherrn, der an jedem Tag, in jeder Stunde Rechenschaft von seinen Entwürfen, Plänen und Absichten ablegen soll, oftmals einem sich zu wichtig nehmenden Unteroffizier mit Zugang zu einem Telegrafendraht“.

„Die Fehler der oberen Führung werden durch die Bedachtsamkeit der Truppe im Keime erstickt“. Carl von Clausewitz war ein preußischer General und Militärtheoretiker

 

Amerikanischer Offizier 1987: „Die Auftragstaktik ist ein außerordentlich weitgespannter Begriff, der ganzheitliche Aspekte dessen umfasste, was heute als Lehre vom Wesen des Krieges, Charaktermerkmale und Führereigenschaften, Taktik, Truppenführung, Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen sowie Ausbildung und Erziehung bezeichnet werden würde. Diese Aspekte waren außerdem in sich schlüssig, verstärkten sich wechselseitig und waren untrennbar miteinander verwoben“.

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