Eine (un)gesunde Portion Skepsis

Im rheinischen Grundgesetz steht es geschrieben: „Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet“, oder auch: „Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit“. Die Deutschen und die Angst vor zu vielen, zu raschen und unüberlegten Veränderungen, eine scheinbar Never-Ending-Story.

Gerade die ältere, bereits etablierte und erfahrene Generation steht Veränderungen oftmals eher kritisch gegenüber. Diese allgemeine Skepsis wird unweigerlich an folgende Generationen weitergeben und bleibt somit ein Bestandteil der deutschen Mentalität.

Digitalisierung, Energiewende, Freihandelsabkommen, alles Begriffe, die momentan durch die innerdeutschen Medien kursieren und vor allem eines bei den Deutschen auslösen – Sorgenfalten. Warum sollen Abläufe geändert werden, die schon über Jahrzehnte bestand haben und bis heute funktionieren?

Ein gutes Beispiel dafür ist das zögerliche Verhalten des Landes, wenn es darum geht, Veränderungen am Bildungssystem herbeizuführen. „Warum sollen fortan vermehrt Computer oder Tablets in Schulen zum Einsatz kommen? Brauchen wir die neuen Medien denn wirklich in allen Bereichen? Wir sollten das erst mal reiflich überlegen und keine hastigen Entscheidungen fällen!“

Während in deutschen Gremien und Ministerien analysiert und diskutiert wird, gehen andere Länder voran und etablieren in Schulen den frühen Umgang mit der digitalen Welt.

Wenn es darum geht, sich mit neuen Dingen auseinanderzusetzen, verfällt Deutschland, das Land der Dichter und Denker, oftmals in Lethargie, in eine Art Schockstarre. Veränderungen skeptisch gegenüberzustehen, ist keinesfalls verwerflich. Es fällt den Deutschen nur oftmals schwer, das richtige Maß zwischen Pessimismus und Optimismus zu finden.