Die Alliierten und die Mitbestimmung

„…Hiermit wird die Errichtung und Tätigkeit von Betriebsräten in ganz Deutschland gestattet.“

Die deutsche Mitbestimmung ist eine Institution, die amerikanischen Geschäftspartnern und Investoren vermutlich hin und wieder Kopfzerbrechen bereitet. Gleichzeitig sind die Betriebsräte der ganze Stolz der deutschen Gewerkschaften. Und obwohl die betriebliche Mitbestimmung in Deutschland auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, so waren es die alliierten Besatzer, welche sie nach dem Zweiten Weltkrieg wieder einführten.

Die Nationalsozialisten hatten die gesetzlich vorgesehenen Betriebsräte der Weimarer Republik im Zuge ihrer Gleichschaltungspolitik abgeschafft. Dies geschah natürlich mit dem Ziel, den Einfluss der sozialistischen deutschen Gewerkschaften zu brechen. An ihre Stelle trat die Deutsche Arbeitsfront als Instrument zur Kontrolle der arbeitenden Bevölkerung.

Dabei waren es die Gewerkschaften gewesen, welche im Streik der Ruhrkohlearbeiter 1905 die Schaffung von Betriebsräten in ihren Unternehmen erkämpft hatten. In den Folgejahren wurden diese Räte zum wichtigsten Mittel der Mitbestimmung und folgerichtig in der Weimarer Republik gesetzlich vorgeschrieben.

Sie vertraten die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Arbeitnehmer gegenüber ihren Arbeitgebern. Vollkommen klar also, dass die Nazis in ihnen eine Bedrohung ihres totalen Machtanspruchs sahen und als eine ihrer ersten Amtshandlungen 1934 Gewerkschaften und Betriebsräte verboten.

Und ebenso klar, dass etwas, das den Nazis ein derartig großer Dorn im Auge war, von den Alliierten mit Wohlwollen betrachtet wurde. Und somit erlaubte der Alliierte Kontrollrat schon im Frühjahr 1946 mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 22 die Räte wieder. Schließlich gibt es kaum ein besseres Mittel gegen totale Kontrolle im Großbetrieb, als eine organisierte Arbeitnehmervertretung. Wer sich mit dem Betriebsrat anlegt, legt sich also gewissermaßen mit einem stolzen Stück deutscher Arbeitnehmertradition an.