Prädikatsexamen

Die Noten im Jura-Studium sind eine Disziplin für sich. Insgesamt gibt es 18 Punkte. Je drei Punkte machen eine Notenstufe aus (wie beim Notensystem der Oberstufe). Zusätzlich zu „sehr gut“, „gut“, „befriedigend“, „ausreichend“, „mangelhaft“ und „ungenügend“ gibt es bei Jura allerdings noch die Note „voll befriedigend.“

Wer in seinem Staatsexamen die Noten „Sehr gut“, „Gut“ oder „Vollbefriedigend“ erzielt hat, hat ein Prädikatsexamen. Mit vier Punkten ist das Examen bestanden, 85 Prozent erreichen maximal acht Punkte.

Die vollen achtzehn möglichen Punkte bedeuten, Sie haben ein „Sehr gut plus“ geschrieben. Diese Note wird praktisch nie vergeben. Dies zeigt sich auch immer dann, wenn jemand eine besonders gute Note im 1. Staatsexamen schafft.

Wie z.B. Sonja Pelikan 2010. Sie erreichte 16,08 Punkte. Dies war der Süddeutschen Zeitung sogar ein Interview wert (“Wie schafft man 16 Punkte?” 10. Mai 2010). Oder Stefan Thönissen der 2013 von der Badischen Zeitung interviewt wurde, weil er an der Universität Freiburg sein Examen mit “sehr gut” ablegte. Der Artikel betonte: “18 Punkte sind im Fach Jura die magische Maximalpunktzahl, sie ist quasi unerreichbar”.

Warum führt man eine Notenskala ein, bei der das Erreichen der Bestnote praktisch unmöglich ist? Vielleicht will man signalisieren: “Es geht immer noch ein bisschen besser. Streng’ dich an”.  Vielleicht will man den anderen “auf dem Boden der Tatsachen halten”. Denn nichts ist schlimmer als abzuheben. Sich möglicherweise besser zu finden als man tatsächlich ist.