Erst denken, dann handeln

Deutsche sind oft der Ansicht, daß ihre amerikanischen Kollegen zu wenig Informationen sammeln: Wertvolle Informationsquellen werden nicht erschöpfend ausgewertet. Vergleiche neigen dazu, auf dünnem Eis aufgebaut zu werden. Indikationen aus subjektiven Quellen werden ohne genügend Skepsis akzeptiert.

All dies ist der deutschen Handlungsmaxime “erst denken, dann handeln” prinzipiell gegenläufig. Denn ‚richtig denken‘ hat im deutschen Kontext viel damit zu tun, spontane Handlungsimpulse zu unterdrücken, bis ein erschöpfendes Bild der Lage zusammengetragen und auf die Konsequenzen hin durchdacht worden ist.

Es ist daher wenig überraschend, wenn Deutsche die Analyseverfahren ihrer amerikanischen Kollegen als weniger stringent ansehen. Man beargwöhnt eine zu enge und daher unvollständige Fokussierung auf gewisse Aspekte der zu treffenden Entscheidung. Amerikaner scheinen ihre technische Fähigkeit, wirklich solide und saubere Analysen durchführen zu können, zu überschätzen.

Dies nicht zuletzt wegen der amerikanischen Neigung, gern auch subjektive Daten (bzw. deren Interpretation) in die Analyse einfließen zu lassen. Häufig werden unverständlicherweise bereits erfolgreich erprobte Werkzeuge und Standards nicht verwendet.

Letztendlich werden Amerikaner von ihren deutschen Kollegen als zu pragmatisch und ungenau eingestuft – allzu leicht werden ungenügende Analysen von Amerikanern als hinreichend gesichert akzeptiert.Für die deutsche Arbeitsmentalität, die stets auf Sicherheit durch allgemein verbindliche Standards bedacht ist und hinter jedem Fehler die potentielle Ursache eines Systemzusammenbruchs wittert, ist dies nur schwer nachvollziehbar. Man wähnt sich in Gefahr und glaubt dies nur durch doppelte und dreifache Kontrolle kompensieren zu können.