Atomkraft, nein Danke!

Die deutsche Atomkraftbewegung ist als soziale Bewegung in den 1970er Jahren entstanden. Sie wendet sich gegen die zivile Nutzung der Kernenergie. Im europäischen Vergleich ist die Bewegung in Deuschland am stärksten und weist ebenfalls die größte Kontinuität auf. Dabei ist die Atomkraft-Bewegung in Deutschland eng mit der Umweltbewegung verknüpft: Greenpeace, BUND und Robin Hood lehnen beispielsweise die Atomkraft kategorisch ab.

Der Unfall im Kernkraftwerk Three Mile Island 1979 und die Katastrophe von Tschernobyl von 1986 gaben der Anti-Atomkraft-Bewegung neue Nahrung. Im Jahr 2000 wurde durch die rot-grüne Bundesregierung der Atomausstieg in Deutschland in die Wege geleitet.

Während sich 2010 die schwarz-gelbe Koalition für eine Laufzeitverlängerung der bestehenden Kraftwerke stark machte, was als „Ausstieg aus dem Ausstieg“ bezeichnet wurde, zwang die deutsche Reaktion auf den Nuklearunfall in Fukushima 2011 Bundeskanzlerin Merkel, einstige Befürworterin der Atomenergie, zu einem Umdenken. Bis 30. Mai 2022 soll Deutschland aus der Atomenergie aussteigen.

Fukushima führte also zu einem beschleunigten Atomausstieg Deutschlands. Ein Jahr nach Fukushima verteidigte Merkel ihre Entscheidung: “Wir haben doch in einem hoch entwickelten Industrieland gesehen, dass Risiken aufgetreten sind, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Das hat mich davon überzeugt, dass wir den Ausstieg beschleunigen sollten”.

Währenddessen investiert Japan weiter in die Atomindustrie. Großbritannien plant den Neubau eines Atomkraftwerks. Auch in Frankreich konnte Fukushima den Erfolg der Atomindustrie nicht bremsen. Und in den USA hat Fukushima bei Politikern und dem Präsidenten ebenfalls keine Auswirkung auf den Glauben an die Atomenergie.

Offenbart die deutsche Anti-Atomkraft-Bewegung und insbesondere die Auseinandersetzung mit Fukushima deshalb nicht auch das besondere deutsche Risikoverständnis?