Mehr als ein Geschäft

Ein Mandat ist in Deutschland eine ernste Sache. Es ist genau zu überlegen und zu recherchieren, wen man mit einem Mandat betraut, wem man vertraut, dass er in der Lage und willens ist, stellvertretend für einen Rechte auszuüben.

Auch wenn das deutsche Recht den Rahmen von Mandaten für Rechtsanwälte und Steuerberater vorgibt, so wird von Kundenseite doch ein spezielles Vertrauensverhältnis und eine längerfristige Zusammenarbeit angestrebt, vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen Arzt und Patient. So lange ein Mandat besteht, ist es für Deutsche nach außen eine heilige Angelegenheit, über die geschwiegen wird.

Auch wenn der Mandatsträger selbständig für den Mandanten handelt, wird eine sehr enge Kooperation erwartet. Die Vergabe eines Mandats sowie die Aufnahme eines Mandanten sind also keine gewöhnlichen Geschäfte und eine Frage des Preises. Sie sind vielmehr eine persönliche und fachliche Angelegenheit. Denn im Mittelpunkt stehen die Vertretung der Interessen des Mandanten, über welche trefflich zu streiten ist.

Beide Parteien müssen sich gegenseitig wertschätzen und von einer Zusammenarbeit überzeugt sein. Hegt der Mandant oder der Mandatsträger Misstrauen gegen den anderen, drohen lange Streitigkeiten. Anders verhält es sich bei dem politischen Mandat. Auch hier stehen die Interessen der Mandanten, also der Wähler, im Mittelpunkt, doch besteht gerade kein enges Verhältnis zwischen Mandant und Mandatsträger, so dass Transparenz eine Kernforderung der Mandanten ist.

Da die politischen Mandatsträger die Interessen Vieler vertreten müssen, herrscht ein großes Misstrauen seitens des einzelnen Mandanten. Die Forderung nach Rückgabe des Mandats gehört damit zum täglichen politischen Geschäft. Mandat, eine delikate Angelegenheit in Deutschland. In Geschäftsbeziehungen wie in der Politik.