Scharf umrissenes Bild

Wenn sich Deutsche an einen Dienstleister wenden, haben sie sich meistens vorher gut informiert und sich genau überlegt, was sie für ihre spezielle Situation benötigen. Dies betrifft auch die Wahl des Dienstleisters. Schließlich muss dieser im Stande sein, die präzisen eigenen Vorstellungen umzusetzen. Deutsche haben nicht nur von dem „Was“ eine klare Vorstellung im Kopf, das „Wie“ ist oftmals ebenfalls gleich mitgedacht.

Deutsche gelten als bürokratisch. Doch bei aller Gesetzesfülle gehen viele Verwaltungsprozesse heute rasch von statten. Voraussetzung hierfür ist nicht nur eine gute Organisation der öffentlichen Einrichtung, sondern in Deutschland wird auch vom Bürger, dem „Kunden“, eine ernsthafte Vorbereitung erwartet.

Betrifft einen die Regelung überhaupt? Was sind die Voraussetzungen? Der Idealbürger ist gut informiert und hat ein scharf umrissenes Bild seines Anliegens und seiner hiermit verbundenen Rechte und Pflichten. Bürgerämter haben daher teils einen Empfang eingerichtet, der jeden Besucher nach seinem Anliegen fragt und schaut, ob der Kunde vorerst noch Information bedarf und die nötigen Unterlagen bei sich hat.

Denn die Zeit eines Sachbearbeiters ohne eine eigene klare Vorstellungen in Anspruch zu nehmen, gilt in Deutschland als unhöflich. Schließlich entstehen so Opportunitätskosten: In der Zeit hätte einem vorbereiteten Kunden weitergeholfen werden können. Und der Trend ist eindeutig: Information wird heute textgebunden öffentlich bereitgestellt, so dass sich jeder in dem Umfang und in der Tiefe selbst informieren kann, bis man ein klares Bild von dem im Kopf hat, was man benötigt.