Dienen

Wie es häufig der Fall mit englischen Begriffen ist, so wird auch das Wort service in verschiedenen Zusammenhängen von Deutschen verwendet. Ein ursprünglich deutscher Begriff ist service keinesfalls. Das deutsche Äquivalent zu service lautet “dienen”. Das Wort ”dienen” kann bis in das 8. Jahrhundert zurückverfolgt werden. An seiner wortgeschichtlichen Wurzel stand “dienen” in engem Zusammenhang zu Läufer, Bote oder Knecht. Dienen bedeutet einfach soviel, wie hilfreich bzw. nutzvoll sein.

Es bedeutet jedoch auch implizit – und diese Konnotation schwingt für deutsche Ohren stark mit – Unterwerfung oder Unterordnung gegenüber einer anderen Person, der gedient, assistiert oder geholfen wird. Insbesondere dann, wenn eine Person ausschließlich den individuellen Bedürfnissen, Wünschen oder Interessen einer anderen Person dient, wird ein Verlust an Selbständigkeit und Autonomie spürbar.

Man ist also in solchen Verhältnissen eher ein sklavenartiger Gefangener – und kein freier Mensch. Man unterliegt einem fremden Willen und kann daher nicht durch die freie Bestimmung des eigenen Willens zum selbständigen Herren werden, der sich unabhängig – also autonom (selbstbestimmt) – Ziele und Zwecke setzt. Das Dienen gewinnt allerdings dann eine positive Bedeutung, wenn einem allgemeinen und gemeinnützigen Zweck gedient wird, der das Allgemeinwohl befördert.

Diese sprachgeschichtlichen Ausführungen liefern einen Hinweis darauf, weshalb Deutsche es vermeiden, das Wort ”dienen” zu verwenden, und stattdessen den englischen Begriff service oder deutsch-englische Kombinationen, wie z.B. Kundenservice, vorziehen. Kurzum: Man hat keine Schwierigkeiten damit, “einer guten Sache zu dienen”, wohl aber damit, “einem Kunden bzw. einem Anderen zu dienen”.

Erstere Wendung wird man sehr oft im Sprachgebrauch finden, letztere hingegen kaum, da Wendungen wie “ihr ergebener Diener” oder “stets zu Diensten”, etc. faktisch ausgestorben sind. Wo die Begriffe sterben, sterben aber auch die Ideen hinter den Begriffen.