Erbfeindschaft

Im deutschen Kontext gibt es nur sehr wenig Toleranz für Lösungen, die klare Gewinner oder Verlierer hervorbringen. Meiden Deutsche den offenen Schlagabtausch, weil sie auf der einen Seite ungern verlieren und ihnen auf der anderen Seite ihre Bescheidenheit verbietet, zu offensichtlich als stolzer Gewinner aufzutreten?

Ein Blick in die Geschichte – genauer gesagt auf die deutsch-französische Erbfeindschaft – hilft uns zu verstehen, warum die Deutschen einem Nullsummenspiel ausweichen und stattdessen stärker an Win-Win-Situationen interessiert sind.

Bei der sogenannten deutsch-französischen Erbfeindschaft handelt es sich um eine Reihe von Konflikten zwischen beiden Ländern von der Zeit Ludwigs XIV. bis nach dem zweiten Weltkrieg.

Den deutsch-französischen Krieg von 1870/1871 „gewann” Deutschland, doch die erzwungene Abtretung von Elsass-Lothringen schürte bei den Frazosen einen heftigen Revanchismus.

Dann der Erste Weltkrieg. Frankreich „gewinnt“, doch der Friedensvertrag von Versailles bringt alles andere als Frieden. Er wird als politische und militärische Demütigung angesehen, die die Nationalsozalisten wiederum in den 1930er Jahren für ihre Zwecke instrumentalisieren.

Zweiter Weltkrieg. Besatzung Frankreichs. Am Ende „verliert“ Deutschland. Erst nachdem Millionen von Menschen ihr Leben lassen mussten, wird mit der Gründung der Montanunion das Ende der „Erbfeindschaft“ eingeleitet. Zusammenarbeit statt Konfrontation.

Die Lehre daraus: Ein Konflikt ist nicht dann gelöst, wenn einer verliert und der andere gewinnt. Ein Konflikt ist dann gelöst, wenn beide mit der Einigung zufrieden sind.