Eingreifen erwartet

Trotz alledem: Wenn der Chef für die weitere Planung oder für einen Kunden den Stand der Arbeit wissen muss, wird nachgehakt. Bei nicht Einhaltung von vereinbarten Fristen ohnehin. Freundlicher klingt „nachfassen“. Mit Nachhaken setzt man sein Gegenüber unter Druck.

Zum einen ist Nachhaken in Deutschland unbeliebt und ein sehr kräftiges Machtinstrument. Zum anderen ist in manchen Situation Nachhaken akzeptiert oder wird gar erwartet.

Bezieht sich das Nachhaken auf die Arbeitsleistung einer Person ist es negativ. Nachhaken ist willkommen, wenn es auf technische, sachliche Fragen beschränkt ist bzw. wenn Termine bestätigt werden müssen.

Kurz vor einem Redaktionsschluss einer Veröffentlichung ist ständiges Nachhaken ok. Der Termin muss eingehalten werden. Die Mitarbeiter werden so unter Zeitdruck gesetzt, aber der Zeitdruck ist unpersönlich. Die Ursache ist die Deadline.

Nachhaken kann sogar erwünscht sein, ja, als „väterliche Fürsorge“ gesehen werden. Wird einem Teamkollegen notgedrungen eine zu große Aufgabe übertragen, so wird häufiges Nachfragen oder Nachhaken – „Na, wie weit sind Sie denn?“ – als „nicht alleine lassen“ empfunden.

Ebenso ist Nachhaken bei Kollegen bei und nach Fachvorträgen legitim und teils erwünscht. Es geht Deutschen um sachliche Fragen. Der Referent erfährt durch Nachhaken, dass seine Kollegen zugehört haben und interessiert sind. Der Nachhakende kann seinerseits Kompetenz und Problembewusstsein demonstrieren.

Auch bei Team- oder Arbeitsbesprechungen ist Nachhaken erlaubt. So können offene Punkte direkt geklärt werden, sodass alle Mitarbeiter mit dem nötigen Kenntnisstand rausgehen, um ihre Aufgaben gut zu erledigen.

Und es gibt für Deutsche noch einen legitimen Grund nachzuhaken. Wenn ein Fehler bei der Arbeit aufgetaucht, etwas schief gelaufen ist und der Fehler gefunden werden soll, um die Fehlerquelle in Zukunft auszuschließen. Hier heißt es alle Zähne zusammenbeißen. Nachhaken muss manchmal sein.