Deutscher Ansatz

Deutsche Teamleiter führen per Auftrag. Anweisungen werden bewusst allgemein formuliert. Teammitgliedern wird möglichst viel Interpretations- und Umsetzungsspielraum gegeben.

Führen per Auftrag bedeutet in der Konsequenz, dass deutsche Teamleiter lange Kommunikationslinien zu ihren Teammitgliedern unterhalten.

Wenn Deutsche – sowohl diejenigen, die führen, als auch diejenigen, die geführt werden – allgemein formulierte Aufgaben bevorzugen, die sich am übergeordneten Auftrag orientieren, und wenn deutsche Manager sich mehr auf die strategische Ebene, weniger auf die Details der Durchführung fokussieren, dann folgt daraus, dass sie längere Kommunikationslinien mit ihrem Team etablieren werden.

Weniger Interaktion, seltener stattfindende Statustreffen, seltenere Thematisierung von taktischen Fragen.

Amerikanischer Ansatz

Wenn US-Amerikaner – sowohl diejenigen, die führen, als auch diejenigen, die geführt werden – genau formulierte Aufgaben (sowohl im Hinblick auf das Was und das Wie), die stark einem Befehl gleichen, bevorzugen, und wenn amerikanische Manager stärker als Trainer (Coach) fungieren, die zwar auf der strategischen Ebene führen, aber auch auf der taktischen Ebene involviert bleiben, dann folgt daraus, dass sie kürzere Kommunikationslinien mit ihrem Team etablieren werden.

Mehr Interaktion, häufig stattfindende Statustreffen, häufigere Thematisierung von taktischen Fragestellungen.

Deutsche Sicht

Amerikanische Führungskräfte kommunizieren zu viel. „Der Mannschaft einen Besuch abstatten“ und „management by walking around“ wird als unberechtigte Überwachung und Kontrolle verstanden. Es stört, demotiviert und wird in vielen Fällen als Zeichen fehlenden Vertrauens gesehen.

Amerikanische Sicht

Deutsche Führungskräfte kommunizieren zu wenig. Der persönliche Austausch mit dem Chef ist selten. Es ist schwierig, nachzuvollziehen, zu verstehen und vorherzusagen, was die Führungskraft möchte. Es bedarf unnötiger Ratespiele, kann demotivierend wirken und wird in vielen Fällen als fehlendes Engagement gesehen.

Vorschläge an Deutsche

Sehen Sie sich eher als Spielertrainer, denn als Lehrer. Bleiben Sie auch auf der taktischen Ebenen für Ihr Team ansprechbar. Sie müssen nicht plötzlich übermäßig viele Vorgaben machen. Sie müssen Ihren Führungsstil nicht grundsätzlich ändern. Bleiben Sie aber stärker involviert und sehen Sie sich stärker in der Rolle eines Coach.

Erhöhen Sie Ihre Kommunikation mit dem Team um 50 Prozent. Das wird Ihnen zunächst vielleicht nicht gefallen. Sie werden denken, dass es verschwendete Zeit ist. Sie haben die Sorge, dass es Ihr Team ablenkt oder vielleicht sogar aus der Ruhe bringt. Nichts dergleichen wird passieren. Stattdessen werden Sie ohne die Einführung von kürzeren Kommunikationslinien nicht erfolgreich sein.

Sind Sie in der Situation, dass Ihr amerikanischer Boss zu viel kommuniziert? Dies ist kein Zeichen fehlenden Vertrauens. Im Gegenteil sollten Sie sich viel eher Sorgen um Ihre Leistungen machen, wenn Sie immer weniger von Ihrem Chef hören oder sehen.

Je höher der Kommunikationsaustausch ist, desto relevanter ist Ihre Arbeit, desto wichtiger ist Ihre Arbeit für den Erfolg des Teams. Sehen Sie die stärkere Interaktion als etwas positives. Tauschen Sie sich mit Ihrer Führungskraft aus. So können Sie auch Einfluss auf die Strategie und andere wichtige Entscheidungen nehmen.

Vorschläge an Amerikaner

Sind Sie der Vorgesetzte von Deutschen? Reduzieren Sie Ihre Kommunikation mit dem Team um 50 Prozent. Es wird Ihnen nicht gefallen. Sie werden sich um Ihr wichtigstes Werkzeug für das Management Ihres Teams beraubt fühlen.

Sie werden sich fragen, was Sie mit der freien Zeit anfangen sollen. Fokussieren Sie sich auf die allgemeineren Strategieangelegenheiten, die einen positiven oder negativen Einfluss auf Ihr Team haben können.
Bauen Sie die Hürden, die dem Erfolg Ihres Teams im Wege stehen, ab. Und nutzen Sie die Zeit, um Ihr Team vor den ständig ausgetragenen, berühmt-berüchtigten, internen Revierkämpfen deutscher Unternehmen zu schützen.

Kommuniziert ihr deutscher Chef zu wenig? Nehmen die persönlichen Gespräche ab? Dies ist kein Anzeichen, dass Sie ein Problem haben (schlechte Arbeit, Unwichtigkeit). Im Gegenteil!

Auf diese Weise gibt Ihr Boss Ihnen zu verstehen: „Sie machen Ihre Sache gut. Sie können sich selbst führen. Ich widme mich nur den Problemen und nicht den Angelegenheiten, die funktionieren. Weiter so! Vielleicht sieht man sich ja demnächst wieder mal zufällig irgendwo.“