Deutscher Ansatz

Die deutschen Notenskala reicht von 1 bis 6: 1 sehr gut. 2 gut. 3 befriedigend. 4 ausreichend. 5 mangelhaft. 6 ungenügend.

Noten sind diese am Wirkungsvollsten, wenn Sie passend und realistisch vergeben werden. Deutsche machen beim Feedback deshalb vom gesamten Notenspektrum gebrauch.

Eine befriedigende Leistung wird mit einer 3 bewertet, eine gute Leistung mit 2; um eine 1 zu erhalten muss man auf jeden Fall etwas Besonderes geleistet haben. Ein „sehr gut“ gilt als weit über Durchschnitt. Wenn sie nicht sicher sind, werten Deutsche die Leistung eher ab.

Amerikanischer Ansatz

Die amerikanische Notenskala reicht von A bis D: A exzellent (excellent). B gut (good). C ausreichend/angemessen (fair). D mit Schwächen, aber bestanden (poor, but passing). F Misserfolg (failure).

US-Amerikaner geben positive und motivierende, jedoch oft auch nach oben verzerrte Noten. Eine solide Leistung wird mit B oder sogar B+ bewertet. Gibt es nur einige wenige Dinge, die noch verbessert werden könnten, geben amerikanische Professoren nicht selten ein A.

Ein C oder D – obwohl dies offiziell als bestanden gilt – gilt inoffiziell als durchgefallen, zumindest als eine nicht zufriedenstellende Leistung.

Deutsche Sicht

Deutsche stören sich sehr daran, dass US-Führungskräfte inflationär-positive Noten vergeben. Man vermisst negatives Feedback als wichtige Orientierung und Schärfung der eigenen Fähigkeit zur Selbstkritik.

Eindeutig schwache Leistungen werden mit beschönigenden Begriffen beurteilt. Solche Aussagen sind auf lange Sicht unglaubwürdig. Sie verlieren ihre fundamentale Funktion.

Amerikanische Sicht

Deutsche Noten können als nach unten verzerrt und somit als demotivierend, verwirrend und potenziell ungerecht wahrgenommen werden. Der amerikanische Empfänger von Feedback ist unsicher darüber, „wo er wirklich steht“.

Vorschläge an Deutsche

Sie erhalten bessere Noten als in Deutschland. Seien Sie vorsichtig. Lassen Sie es sich nicht zu Kopf steigen. Korrigieren Sie die Einschätzung um eine halbe Note nach unten. Suchen Sie nach einer Gelegenheit, mit Ihrer amerikanischen Teamleiterin unter vier Augen zu sprechen.

Beharren Sie diplomatisch darauf, dass sie direkter Ihre Schwächen thematisiert. Wenn Sie ein amerikanisches Team führen, sollten Sie positivere Noten als im deutschen Kontext verteilen, um damit Ihr Team zu motivieren. Korrigieren Sie Noten eine halbe Notenstufe nach oben.

Vorschläge an Amerikaner

Wenn Sie eine deutsche Führungskraft haben, dann wird sich vorsichtiges Lob auch in den Beurteilungen niederschlagen. Sehen Sie Noten im Kontext der deutschen Notenskala und nicht der amerikanischen.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Einschätzung nicht richtig oder ungerecht ist, dann sprechen Sie dies vorsichtig an, denn Sie könnten den Eindruck erwecken, einer dieser behüteten Amerikaner zu sein, die keine Kritik vertragen.

Wenn Sie Deutsche führen, dann korrigieren Sie Ihre Beurteilungen um eine halbe Notenstufe nach unten. Weg mit dem "Zuckerguss". Deutsche können Kritik vertragen.

Wenn ihre Schwächen nicht angesprochen werden, wenn keine Verbesserungsmaßnahmen empfohlen werden, dann werden Deutsche schlussfolgern, dann Sie entweder unfähig oder nicht gewillt sind einen Sachverhalt zu analysieren und davon ausgehend Handlungsempfehlungen auszusprechen. Und genau das spricht für schlechte Führung.