Deutscher Ansatz

Die Deutschen vermeiden eine öffentliche Anhörung um fast jeden Preis. Beschwerden öffentlich zu machen – die eigenen Argumenten denen der Konfliktpartei gegenüberzustellen und das vor der nächst höheren Managementebene – erhöht nur die Spannungen und macht eine Lösung des Konflikts schwieriger. Stattdessen interviewt der Schlichter die Konfliktparteien getrennt.

Aus diesem Grunde wird in der Regel die erste Anhörung separat durchgeführt. Diese Maßnahme wird als der Empfindlichkeit der Situation angemessen betrachtet. Sie erschwert das Hervorbringen von Lügen und Verleumdungen gegenüber der schlichtenden Vertrauensperson, da diese nun mehr weiß als die einzelnen Kontrahenten.

Amerikanischer Ansatz

US-Amerikaner erwarten eine faire Anhörung. Sie empfinden es als gerecht, wenn jede der Konfliktparteien die Möglichkeit erhält, ihre Sicht der Dinge vor einem Richter/Schlichter vorzutragen – und zwar im Beisein der Konfliktpartei. Man kann sich nur dann verteidigen, wenn man weiß, wessen man beschuldigt wird.

Deutsche Sicht

Die US-amerikanische Art und Weise die Beweisführung zu leiten, stößt bei Deutschen auf Ablehnung. Die Konfliktparteien wie Duellanten „zu sich zu zitieren”, um die Sache „offen auszufechten”, führt unweigerlich zu einer verschärften Konfrontation.

Amerikanische Sicht

Nicht die Chance einer gemeinsamen Anhörung zu erhalten, bedeutet für US-Amerikaner ihres Rechts der Selbstverteidigung beraubt zu werden. Der deutsche Ansatz, mit den Konfliktparteien getrennt zu sprechen, wird als nicht effektiv, als Heimlichtuerei und schlicht und einfach als ungerecht empfunden.

Vorschläge an Deutsche

Falls Sie einen US-amerikanischen Vorgesetzten haben, sollten Sie auf Ihre Anhörung vorbereitet sein, wenn Sie einen Konflikt mit einen US-amerikanischen Kollegen haben. Dies geschieht schneller als Sie denken.

Wenn Sie Vorgesetzter von US-Amerikanern sind und ein Streit wurde an Sie herangetragen, dann wird von Ihnen erwartet, dass Sie eine Anhörung durchführen. Tun Sie dies zeitnah.

Vorschläge an Amerikaner

Falls Sie Vorgesetzter von Deutschen sind und ein Konflikt an Sie herangetragen wird, halten Sie keine gemeinsame Anhörung. Reden Sie mit beiden Konfliktparteien getrennt voneinander. Verhindern Sie jegliche direkte Streitigkeiten in Ihrer Anwesenheit.

Falls Sie einen deutschen Vorgesetzten haben, dann werden Sie höchstwahrscheinlich keine Anhörung nach US-amerikanischer Art erhalten. Der „Richter“ wird mit Ihnen alleine sprechen. Sie werden nicht die Darstellungsweise des Kontrahenten erfahren.