Deutscher Ansatz

Da ein „Ja“ für Deutsche hohen Verbindlichkeitscharakter hat, erwarten sie sehr viele Hintergrundinformationen, d.h. Informationen zum Kontext, bevor Sie eine Abmachung treffen. Zum einen erlaubt ihnen dieses Mehr an Informationen einzuschätzen, ob sich eine Abmachung negativ auf sie oder ihr Team auswirken könnte.

Zum anderen möchten sie ihren Teil der Abmachung erfüllen. Und da im deutschen Kontext nur sehr wenig nachgehakt wird (follow up), ist es für Deutsche umso wichtiger, von vorne herein zu verstehen, was die Abmachung beinhaltet, um sie auch zufriedenstellend erfüllen zu können.

Amerikanischer Ansatz

Da häufig nachgehakt wird und da Vereinbarungen an Wichtigkeit gewinnen oder verlieren können, kann man schnell Vereinbarungen treffen, ohne dass vorher der Gesamtkontext im Detail besprochen wurde.

Die Vertragsparteien einer Vereinbarung sind im ständigen Austausch miteinander. Sämtliche Kontextinformationen müssen nicht alle sofort und während dem ersten Gespräch kommuniziert werden.

Deutsche Sicht

Deutsche sind überrascht, wenn US-Amerikaner sie bitten, mit ihnen eine Vereinbarung einzugehen, ohne vorher die nötigen Kontextinformationen bereitgestellt zu haben. Dann werden US-Amerikaner auch noch ungeduldig, wenn Deutsche Fragen zur Abmachung stellen.

Je nach dem Grad der Sensibilität der Abmachung kann ein Deutscher schnell den Verdacht hegen, dass der US-Amerikaner versucht, ihm ein „Ja“ zu entlocken, ohne dass der Deutsche wirklich weiß, um was es eigentlich geht bzw. welche Auswirkungen die Vereinbarung für ihn hat. Ein Deutscher könnte in Folge dessen vorsichtiger, skeptischer und misstrauischer agieren.

Amerikanische Sicht

Ein deutscher Kollege, der nach US-amerikanischer Meinung zu viel Kontextinformationen einfordert, kann den Eindruck erwecken, zu gewissenhaft, risikoscheu oder sogar misstrauisch zu sein. Ein US-Amerikaner würde sich fragen: „Wir haben doch eine Vereinbarung. Warum braucht Hans so viele Informationen? Lasst uns endlich anfangen! Wir bleiben doch eh im Kontakt.“

Vorschläge an Deutsche

Ihre US-amerikanischen Kollegen erwarten von Ihnen, dass Sie während eines gemeinsamen Projekts im ständigen Austausch mit Ihnen sind. Daher brauchen sie nicht alle Details von Anfang an zu wissen. Am Anfang sind nur die Informationen wichtig, die man tatsächlich braucht, um das Projekt zu starten. Wenn sie weitere Informationen benötigen, werden sie sich bei Ihnen melden.

Falls nun ein US-Amerikaner Sie mit zu wenig Kontextinformationen versorgt, weisen Sie ihn höflich darauf hin. Sagen Sie ihm, dass Sie einfach gewissenhaft arbeiten und von Beginn an alles zur vollsten Zufriedenheit erledigen möchten.

Vorschläge an Amerikaner

Sprechen Sie mit Ihrem deutschen Kollegen auch über detaillierte Hintergrundinformationen zu einer Vereinbarung. Warten Sie nicht darauf bis Sie gefragt werden. Und seien Sie nicht überrascht, wenn sich deutsche Kollegen in Details vertiefen.

Das bedeutetet nicht, dass sie nicht zum Punkt kommen können oder pedantisch sind. Sie möchten Sie lediglich so gut wie möglich informieren, damit Sie die richtige Entscheidung treffen können.

Und im Falle, dass eine Vereinbarung zustande kommt, möchte Ihr deutscher Kollege, dass Sie aufgrund seiner ausführlichen Informationen in der Lage sind, den Auftrag bestmöglich auszuführen.